Fachgruppe Intensivmedizin

Auf den Intensivstationen befinden sich Menschen in vitalen Grenzsituationen, Menschen, die ohne diesen (vom Menschen geschaffenen) Raum nicht (mehr) leben würden. Unsicherheit, Angst, Sorge und Hoffnung sind wohl die primären Gefühle, die Patienten, Angehörige, aber auch das Personal in diesen Räumen in je eigener Weise bestimmen. Patienten erleben in dieser Zeit oft ungewohnte seelische Zustände und Bewusstseinszustände (Koma, Durchgangssyndrom etc.). „Bewusstlosigkeit“ und „Koma“ bedeuten jedoch nicht „Abwesenheit“, nicht die „Unfähigkeit“ zur Wahrnehmung und nicht das „Fehlen“ von tief menschlichen Bedürfnissen wie Zuwendung und Kommunikation. Im Gegenteil...

Die Zeit auf der Intensivstation ist bestimmt durch den Blick auf (körperliche) Defizite und den Kampf ums (nackte) Überleben. Dass sich in dieser Zeit auch tiefe seelische und spirituelle Lebensprozesse ereignen, ist noch wenig bekannt. Diese bedürfen der Wahrnehmung, der Beziehung und der Unterstützung, um sich zu entfalten und zu einer bewussten und bedeutsamen Erfahrung zu wandeln.

Welche Rolle haben Seelsorgerinnen und Seelsorger in diesen Prozessen? Wie nähern wir uns Menschen, deren Kommunikation nicht über die Sprache erfolgt, um sie in dieser Zeit geistlich zu unterstützen? Wie finden wir eine Orientierung? Wie gehen wir mit der Ambivalenz dieser Zustände und Orte um, die sich zwischen Leben und Tod, gut und böse, schützend und bedrohend befinden und ereignen? Welche Bedeutung haben diese Zustände und Ereignisse für mich und wie gehe ich mit meinen Reaktionen um? Welche Wechselwirkungen und Einflüsse hat das Gesamt der Intensivstation (Patienten, Angehörige, Personal, Institution, System, Feld) auf den Heilungs- und Bewusstseinsprozess?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der Arbeitkreis. und entwickelt Antworten sowie Perspektiven, die Rolle als Seelsorger(in) auf der Intensivstation zu finden, anzunehmen und auszufüllen. Die Erkenntnisse und Methoden der prozessorientierten Psychologie nach Arnold Mindell bieten eine gute Grundlage für eine seelsorgerliche Haltung und Vorgehensweise im Umgang mit der Intensivstation und den Menschen, die dort leben.

Auch gilt es, eine Theologie dieser Zustände und Erlebnisse aus der Praxis heraus zu diskutieren und zu beschreiben sowie liturgische Formen für diese außergewöhnliche Lebenswelt zu finden.

Die Ergebnisse der inhaltlichen Arbeit werden dann in verschiedener Weise in die konkrete Arbeit in den Krankenhäusern und in den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog eingespeist.

Ein Beispiel für die spirituelle und theologische Relevanz der Intensivstation mag Psalm 41 sein, der sich mit den Erlebnissen vieler Patientinnen und Patienten deckt:

Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt; zur Zeit des Unheils wird der Herr ihn retten.
Ihn wird der Herr behüten und am Leben erhalten. Man preist ihn glücklich im Land. Gib ihn nicht seinen gierigen Feinden preis!
Auf dem Krankenbett wird der Herr ihn stärken; seine Krankheit verwandelst du in Kraft.
Ich sagte: Herr, sei mir gnädig, heile mich; denn ich habe gegen dich gesündigt.
Meine Feinde reden böse über mich: «Wann stirbt er endlich und wann vergeht sein Name?»
Besucht mich jemand, so kommen seine Worte aus falschem Herzen. Er häuft in sich Bosheit an, dann geht er hinaus und redet.
Im Hass gegen mich sind sich alle einig; sie tuscheln über mich und sinnen auf Unheil:
«Verderben hat sich über ihn ergossen; wer einmal daliegt, steht nicht mehr auf.»
Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt.
Du aber, Herr, sei mir gnädig; richte mich auf, damit ich ihnen vergelten kann.
Daran erkenne ich, dass du an mir Gefallen hast: wenn mein Feind nicht über mich triumphieren darf.
Weil ich aufrichtig bin, hältst du mich fest und stellst mich vor dein Antlitz für immer.
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, ja amen.

Mitglieder

Seelsorgerinnen und Seelsorger mit Interesse an der Vernetzung und am wissenschaftlichen Dialog, die an einer Klinik (auch Rehabilitation) arbeiten, welche über mehr als 6 Intensivbetten verfügt. Voraussetzung ist der Besuch von mind. einem 6wöchigen KSA-Kurs. Die Teilnahme am 10tägigen Weiterbildungskurs „Traumland Intensivstation“ des Instituts für pastorale Fortbildung Freising oder einer vergleichbaren Fortbildung wird zur Mitarbeit in der Fachgruppe empfohlen.

Links

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://www.traumland-its.de

Kontakt

Pfarrer Thomas Kammerer
Leiter der kath. Seelsorge
Klinikum rechts der Isar der TU München
Ismaninger Str. 22
81675 München
Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailthomas.kammerer(at)klinikseelsorge-tum(dot)de